Micron Document
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<title>Klinge</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Klinge</span></h1>
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<p>Die <b>Klinge</b> ist der Hauptbestandteil diverser <a href="Werkzeug" title="Werkzeug">Werkzeuge</a> und <a href="Waffe" title="Waffe">Waffen</a>. Im eigentlichen Sinn ist sie das ganze Gerät, ausgenommen der Teile, die zum Halten (<a href="Heft_(Griffst%C3%BCck)" title="Heft (Griffstück)">Heft</a>) oder dem Schutz (<a href="Scheide_(Beh%C3%A4lter)" title="Scheide (Behälter)">Scheide</a>) dienen. <i>Klinge</i> bezeichnet umgangssprachlich auch die <b>Schneide</b>, den geschärften Teil der Klinge.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Teile_und_Funktion">Teile und Funktion</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Profil">Profil</h3></div>
<p>Abgesehen von außergewöhnlichen, material- oder zufallsbedingt freien und Sonderformen wird hauptsächlich zwischen drei- und vierkantigen, elliptischen, voll- und dreiviertelrunden Klingenquerschnitten unterschieden. Drei- und vierkantige Stichklingen wie bei <a href="Degen" title="Degen">Degen</a> oder <a href="Stilett" title="Stilett">Stilett</a> können über teil- oder allseitig geschärfte oder ungeschärfte Kanten verfügen. Ob und wie eine geschärfte Kante als funktionale Schneide ausgeführt werden kann, wird in erster Linie vom Klingenprofil bestimmt. Elliptische und diamantförmige Klingen wie bei <a href="Schwert" title="Schwert">Schwert</a> oder <a href="Dolch" title="Dolch">Dolch</a> können ein- oder zweischneidig ausgeführt sein. Vollrunde Stichklingen verfügen formbedingt über keine Schneide.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Blatt,_Rücken,_Hals"><span id="Blatt.2C_R.C3.BCcken.2C_Hals"></span>Blatt, Rücken, Hals</h3></div>
<p>Bei breiten Klingen bezeichnet <i>Blatt</i> den Teil, der die Schneide trägt. Die der Schneide gegenüberliegende Kante nennt man <a href="Klingenr%C3%BCcken" title="Klingenrücken">Klingenrücken</a>. Die gegen die Spitze zu liegende schwächere Hälfte wird <i>Klingenschwäche</i>, die andere <i>Klingenstärke</i> genannt.
</p><p>Das Stück zwischen Blatt und <i><a href="Heft_(Griffst%C3%BCck)" title="Heft (Griffstück)">Heft (Griffstück)</a></i> bezeichnet man allgemein als <i>Hals</i>. Die durch das Heft gehende Verlängerung heißt <i><a href="Erl_(Klinge)" title="Erl (Klinge)">Erl</a></i> oder <i>Angel</i>. Bei speziellen Fachrichtungen der Klingenherstellung finden sich aber auch durchaus andere Begriffe.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Schneide">Schneide</h3></div>

<p>Entscheidend für die Funktion der Schneide ist die <a href="Schneidengeometrie" class="mw-redirect" title="Schneidengeometrie">Schneidengeometrie</a> (der Begriff ist in der Fertigungstechnik verbreitet, betrifft aber auch Waffen analog.)
</p><p>Ihre Schärfe erhält die Klinge durch <a href="Schleifen_(Fertigungsverfahren)" title="Schleifen (Fertigungsverfahren)">Schleifen</a> (<i>Schärfen</i>). <i>Schneide</i> oder <i>Klingenschärfe</i> bezeichnet den geschliffenen Teil der Klinge und auch ihre Schnitteigenschaften. Die Schneide ist spitz-auslaufend und wird mit besonderen <a href="Schleifstein" title="Schleifstein">Schleifsteinen</a> gefertigt, bei besonders guten Schneiden noch mit <a href="Leder" title="Leder">Leder</a> poliert (<a href="Streichriemen" title="Streichriemen">Streichriemen</a>).
</p><p>Werkzeuge zur <a href="Zerspanung" class="mw-redirect" title="Zerspanung">spanenden</a> <a href="Holzbearbeitung" title="Holzbearbeitung">Holzbearbeitung</a> erhalten auch einen <i><a href="Hohlschliff" title="Hohlschliff">Hohlschliff</a></i>. Ausschließliche <a href="Stichwaffe" title="Stichwaffe">Stichwaffen</a> und -werkzeuge (wie die <a href="Ahle" title="Ahle">Ahle</a>) werden nur angespitzt. Profilbedingte Anschärfungen gelten hierbei nicht als Schneiden im technischen Sinn.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Materialien">Materialien</h2></div>
<p>Die Klinge besteht meist aus <a href="Metalle" title="Metalle">Metall</a>, heutzutage fast immer aus <a href="Messerstahl" title="Messerstahl">Messerstahl</a> mit einigen Ausnahmen aus <a href="Keramik" title="Keramik">Keramik</a>, <a href="Titan_(Element)" title="Titan (Element)">Titan</a>-Legierungen oder anderen nicht-eisenhaltigen Legierungen (z.&nbsp;B. <a href="Stellite" title="Stellite">Stellite</a>). Noch seltener werden auch <a href="Kunststoff" title="Kunststoff">Kunststoffe</a> verwendet, die zwar vergleichsweise wenig schnitthaltig sind, dafür aber von <a href="Metalldetektor" title="Metalldetektor">Metalldetektoren</a> nicht aufgespürt werden.
</p><p>Bei besonders edlen oder beanspruchten Klingen verwendet man auch zwei- oder mehrlagigen Stahl, der aus Schichten von zähem <a href="Eisen" title="Eisen">Eisen</a>, <a href="Federstahl" title="Federstahl">Federstahl</a> oder <a href="Werkzeugstahl" title="Werkzeugstahl">Werkzeugstahl</a> besteht. Bei berühmten Klingen können die Muster, die bei der Fertigung auf der Schneide entstehen, ein unverwechselbares Erkennungsmerkmal sein (<i><a href="Damaszenerstahl" class="mw-redirect" title="Damaszenerstahl">Damaszenerstahl</a></i> oder Härtungsmuster).
</p><p>Klingen für den medizinischen Einsatz werden meist aus härtbaren korrosionsbeständigen Edelstählen hergestellt. Besonders hochwertige Skalpelle für die Mikrochirurgie werden auch aus natürlichem oder künstlichem Diamant hergestellt. Diese Diamantklingen gelten als die schärfsten Klingen der Welt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einsatzgebiete">Einsatzgebiete</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Werkzeugklingen">Werkzeugklingen</h3></div>
<p>Klingen sind bei zahlreichen <a href="Trennverfahren_(Fertigungstechnik)" class="mw-redirect" title="Trennverfahren (Fertigungstechnik)">trennenden</a> Verfahren notwendig. Es gibt <a href="Messer" title="Messer">Messer</a>, <a href="Schere" title="Schere">Scheren</a>, <a href="Axt" title="Axt">Äxte</a>, <a href="Beitel" title="Beitel">Beitel</a> usw.
</p><p>Man unterscheidet nach Bauform zum Beispiel:
</p>
<ul><li><a href="Abbrechklinge" title="Abbrechklinge">Abbrechklinge</a></li>
<li>Hohlklinge</li>
<li>Rundklinge</li></ul>
<p>Oder nach Verwendung:
</p>
<ul><li><a href="Rasierklinge" title="Rasierklinge">Rasierklinge</a></li>
<li>Chirurgische Klinge (Skalpell), chirurgisches Messer</li>
<li>Mikrotom Klinge: Ultradünne biologische Schnitte für die klinische Diagnostik.</li>
<li>Industrieklinge&nbsp;– Industriemesser: Einsatz von Klingen/Messer in industriellen Produktionsprozessen zum Trennen/Schneiden von Geweben/Materialien (Folien, Papier usw.)</li>
<li>Hobelmesser</li>
<li>Messerklingen (Jagd-, Küchen- und sonstige Messer), siehe Hauptartikel <a href="Messer" title="Messer">Messer</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Klingen_an_Hieb-,_Stich_und_Wurfwaffen"><span id="Klingen_an_Hieb-.2C_Stich_und_Wurfwaffen"></span>Klingen an Hieb-, Stich und Wurfwaffen</h3></div>

<p>Klingen von <a href="Hiebwaffe" title="Hiebwaffe">Hiebwaffen</a> müssen eine Keilform aufweisen. Je dünner der Rücken und je schärfer die Schneide, desto leichter wird das Eindringen und desto geringer ist die aufzuwendende Kraft. Das Eindringen wird ferner dadurch erleichtert, dass die Klinge gekrümmt gefertigt wird, weil dann der eindringende Teil kleiner ist.
</p><p>Klingen von <a href="Stichwaffe" title="Stichwaffe">Stichwaffen</a> müssen vollständig gerade sein und ihre Mittellinie in der Stoßrichtung haben. Jede Krümmung würde die Stoßkraft brechen und Fehlstöße veranlassen. Zum leichten und sicheren Eindringen verwendet man eine kegel- oder pyramidenförmige Spitze. Der Querschnitt der Stichklinge kann kreisrund, eckig oder oval sein.
</p><p>Berühmte Klingen kamen aus <a href="Solingen" title="Solingen">Solingen</a> (<a href="Solingen#Klingenherstellung" title="Solingen">Solinger Klinge</a>), <a href="Toledo" title="Toledo">Toledo</a> (Toledoklinge) und <a href="Damaskus" title="Damaskus">Damaskus</a> (<a href="Damaszener_Klinge" class="mw-redirect" title="Damaszener Klinge">Damaszener Klinge</a>).
</p><p>Besondere Aufmerksamkeit bezüglich der <a href="Klingenform" title="Klingenform">Klingenformen</a> und des schichtweisen Aufbaus sind von japanischen Klingen, insbesondere von <a href="Katana" title="Katana">Katanas</a>, bekannt. Beispiele verschiedener Klingenstrukturen sind in der nebenstehenden Abbildung ersichtlich.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Silexklingen">Silexklingen</h2></div>
<p><span id="Klingen_der_Steinzeit"></span>
</p>

<p>In der <a href="Arch%C3%A4ologie" title="Archäologie">Archäologie</a> bezeichnet <i>Klinge</i> einen <a href="Abschlag_(Arch%C3%A4ologie)" title="Abschlag (Archäologie)">Abschlag</a>, meist aus <a href="Silikate" class="mw-redirect" title="Silikate">Silikatgestein</a>, der mindestens doppelt so lang wie breit ist, einen dreieckigen oder trapeziodalen Querschnitt und einen regelmäßigen Kantenverlauf aufweist.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Klingen kommen am Ende des <a href="Mittelpal%C3%A4olithikum" title="Mittelpaläolithikum">Mittelpaläolithikums</a> auf, vermutlich zuerst im Vorderen Orient.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Beil" title="Beil">Beilklingen</a> können auch aus Felsgestein bestehen. Zur Schäftung siehe <a href="Sch%C3%A4ftung_(Vor-_und_Fr%C3%BChgeschichte)" title="Schäftung (Vor- und Frühgeschichte)">Schäftung (Vor- und Frühgeschichte)</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Gerhard_Seifert_(Waffenhistoriker)" title="Gerhard Seifert (Waffenhistoriker)">Gerhard Seifert</a>: <cite style="font-style:italic">Einführung in die Blankwaffenkunde</cite>. bezogen auf d. europ. blanken Trutzwaffen. <a href="Selbstverlag" title="Selbstverlag">Selbstverlag</a>, Haiger 1981, <a href="Deutsche_Nationalbibliothek" title="Deutsche Nationalbibliothek">DNB</a>&nbsp;<a rel="nofollow" class="external text" href="https://portal.dnb.de/opac.htm?referrer=Wikipedia&amp;method=simpleSearch&amp;cqlMode=true&amp;query=idn%3D880624213">880624213</a>, <a href="OCLC" title="OCLC">OCLC</a> <a rel="nofollow" class="external text" href="https://worldcat.org/oclc/831996498">831996498</a> (<style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
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</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20120113071128/http://www.seitengewehr.de/Fachwoerter_der_Blankwaffenkunde.pdf"><i>Fachwörter der Blankwaffenkunde</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 13. Januar 2012 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>) [PDF; <span style="white-space:nowrap">2,0<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>MB</span>] Ausgabe enthält: <i>Fachwörter der Blankwaffenkunde</i>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Klinge&amp;rft.au=Gerhard+Seifert&amp;rft.btitle=Einf%C3%BChrung+in+die+Blankwaffenkunde&amp;rft.date=1981&amp;rft.genre=book&amp;rft.oclc=831996498&amp;rft.place=Haiger&amp;rft.pub=Selbstverlag" style="display:none">&nbsp;</span></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Blades?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Klinge</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Klinge" class="extiw external" title="wikt:Klinge">Wiktionary: Klinge</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Joachim_Hahn_(Pr%C3%A4historiker)" title="Joachim Hahn (Prähistoriker)">Joachim Hahn</a>: <i>Erkennen und Bestimmen von Stein- und Knochenartefakten. Einführung in die Artefaktmorphologie.</i> Institut für Urgeschichte, Tübingen 1991, ISBN 3-921618-31-2 (<i>Archaeologica Venatoria</i> 10).</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Anthony E. Marks (Hrsg.): <i>Prehistory and paleoenvironments in the central Negev, Israel.</i> 2 Bände. SMU Press Dallas TX 1976–1977.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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